Sterne fotografieren – Dein erstes Mal

Sterne fotografieren 🌃

Du bist Fotografie Anfänger und möchtest endlich auch einmal ein schönes Bild mit dem nächtlichen Sternehimmel machen? Dann kann dir dieses kleine „How to“ hoffentlich weiter helfen.

Egal wie viele Ratschläge, Video Tutorials und Fachzeitschrift man auch liest. Wenn man das erste mal die Sterne anständig ablichten will, stellt man ernüchternd fest, dass das nicht so einfach ist, wie es in den Berichten oftmals klingt.

Daher zuerst mal die Wahrheit über jene Atemberaubenden Fotos, die man immer wieder so sieht.
Sie sind bearbeitet worden.
Was will ich damit sagen?
Das die Fotos immer optisch aufgehübscht wurden.
Und sei es nur das man ENTRAUSCHT hat.

Der Rest hängt von so vielen Dingen ab, das ich es immer wieder vermessen finde, es allein an der Kamera fest zu machen.
Leider ist das aber wiederum der O-Ton, den man viel zu häufig ließt oder hört/sieht.

Also hier die Fakten:
Fakt ist, das es von deiner Belichtungszeit abhängt, die wiederum von deiner Brennweite abhängt. Die ISO Empfindlichkeit der Kamera ist wichtig und die Blende des Objektivs.
Dazu addieren kann man dann noch ob die Kamera mechanisch mitgeführt wird oder nicht, ob in JPEG oder RAW fotografiert wird. Welche Mondphase ist, ob man einzelne Sterne oder die Milchstraße fotografiert werden. Und natürlich, wie gut der Kaffee ist, den man dabei hat…also, glaub ich zumindest.

Böhmische Dörfer? 🏘

Das große Ganze zu verstehen benötig Zeit. Aber ich geb dir hier, in den nächsten Zeilen praktische Tipps.

Zum nachmachen und lernen.

Fangen wir hier einmal mit der ersten notwenigen Einstellung an.
Dem ISO Wert.
Wenn es deine Kamera zulässt, nutze einen ISO Wert zwischen 1000 und 3200. Welchen genau, hängt von der Kamera und dem Objektiv ab, die du nutzt. Daher ist Geduld gefragt. Viele schwören auf um die 1600.
Am besten machst du bei jedem ISO Schritt ein Foto und wägst ab, welches deiner Wahrnehmung am besten gefällt.
Fotografie ist eine Kunst, da gibt es kein echtes Richtig oder Falsch.
Die, deiner Meinung nach „beste“ ISO, sollte die Basis für Schritt 2 sein…

Nur um es mal zu testen, habe ich neulich mal die Sterne mit meinem Smartphone fotografiert.
Und das erfolgreich. Geht also auch.

Was bedeutet ISO?
Die meisten glauben da an einen, wie auch immer wissenschaftlichen, Wert.
Aber ISO heißt Internationale Organisation für Normung (International Standarts Organisation). Also ist es eine Norm, die früher festlegte, wie Lichtempfindlich ein Film oder eine Platte war.
Dem voraus gingen International die ASA (American Standarts Association), das russische GOST oder die deutsche DIN ( Deutsches Institut für Normung). Die japanischen Hersteller führten dann in den 80igern den ISO auf ihren Kameras (mehr oder minder) mit ein und gaben den ASA/ISO an.
Es sind also eigentlich industrielle Richtwerte, die man nun mit in die digitale Welt übernommen hat.
Und so nutzt man den ISO als Lichtempfindlichkeits Richtwert auch heute.
Interessant zu wissen ist beim ISO ebenfalls, dass das RAUSCHEN nicht nur entsteht, weil mehr oder weniger Licht einfällt, sondern weil man mit dem ISO Regler einen digitalen Verstärker bedient, der das analoge Signal des Sensors entsprechend dämpft oder verstärkt. Daher hat auch jede Kamera den perfekten Basis ISO Wert, den man meist bei ISO100 oder ISO200 findet. Das Rauschen entsteht dabei also aus den selben Gründen, wie wenn man ein Audio Signal verstärkt. Zudem spielt letztlich auch die Menge der vorhandenen Pixel in der Relation zur realen Sensorgröße eine Rolle.
Solltest du einmal eine alte Analoge in die Hände bekommen, so wirst du dort unter Umständen DIN, ASA und ISO finden. 

Fazit: ein ISO Wert um die 1200-1600 ist meist die richtige Richtung.
Also weiter zur nächsten Einstellung für dein Sternenfoto.

🤓

Neben der ISO Empfindlichkeit deiner Kamera ist die Lichtempfindlichkeit deiner Objektive gleichwertig wichtig.
Ob das Bild scharf ist oder nicht, hängt davon ab wie gut du fokussierst, aber auch wie scharf deine Linse ist.
Um Sterne zu fotografieren empfiehlt sich ein Objektiv mit möglichst „offener“ Blende.

Offen? 🤔

Die Blende ( immer in f/ oder F/ angegeben…bei älteren Objektiven auch als 1:2 oder 1:4 oder 1:3.5 angegeben) steuert die Lichtdurchlässigkeit. Je mehr man „abblendet“ um so weniger Licht kann einfallen.
Den Mechanismus dafür nennt man auch Iris, wie bei unserem Auge.

Je kleiner der Blendenwert, umso mehr Licht kann einfallen.
Das heißt ein Objektiv mit einer Blende f/2.8 lässt mehr Licht durch, als ein Objektiv mit einer Blende f/4. Und zwar bedeutend. Warum erklär ich ein anderes mal.
Um Sterne sinnvoll zu fotografieren sollte dein Objektiv f/2.8 oder f/1.8 oder noch geringer haben. Aber nicht jeder kann sich das leisten. Aber nicht den Kopf hängen lassen. Auch mit einem „NORMALEN“ Objektiv (f/3.5)  geht das gut. Es geht nur nicht sooo gut. 😉

Jetzt hörst du oft, dass man in diesem Zusammenhang von einer offenrn Blende spricht. Das ist dermaßen verwirrend, das man darüber immer erstmal mehrmals nachdenken muss.
Gemeint ist damit allerdings, dass das „Loch“ , durch das Licht einfallen kann, sehr groß ist. Das Wort „offen“ bezieht sich also auf den mechanischen Zustand im Objektiv, während der abgeblendete Teil der Linse, und damit auch der Wert, gleichwertig klein sind. Die Offenste Blende eines Objektivs ist normaler Weise der Zustand, wenn mittels der Iris, überhaupt nicht abgeblendet wird und sich die Blende einfach aus der Objektivarchitektur ergibt.

Blende f/1.4 ist eine große Öffnung
Blende f/22 ist eine kleine Öffnung.

Um nun Sterne zu fotografieren benötigst du also die möglichst offenste Blende (kleinsten Blendenwert), den dein Objektiv hergibt!

Nun auf Unendlich fokussieren und Daumen halten! 😣 Ach halt…

Was nun noch fehlt ist die Belichtung in Abhängigkeit der Brennweite deines Objektivs.

Prinzipiell fällt die Wahl des Objektivs, mit der Wahl des Motivs.ABER!
Wieder ist die Blende wichtig.
Je höher die Brennweite umso weniger Licht kommt durch Objektiv.

Inzwischen gibt es aber hohe Brennweiten mit großer Blende. Dass das Erstellen eines Objektivs mit hoher Brennweite und großer Blende aber wohl sehr aufwendig ist, zeigen die Preise. Offenblende, also zB.: f/2.8 Objektive kosten dabei erheblich mehr, als f3.5-4. Und das dann meistens gleich noch exponentiell mit der Brennweite.

Grundsätzlich empfiehlt sich aber ohnehin ein eher weitwinkliges Objektiv um Sterne zu fotografieren. Die kosten sind dann, mit großen Blenden, auch nicht mehr unbedingt so Hoch.
Aber die Brennweite hat noch einen anderen Einfluss auf dein Foto.
Denn, je kürzer die Brennweite, desto länger die mögliche Belichtungszeit. Das ist streng genommen sogar eine Frage der Logik. Aber nur wenn man versteht, was die Brennweite eigentlich darstellt. Folgendes kann man zwar nicht mehr wirklich festschreiben, aber bis vor ein paar Jahren war es noch so, und der Veranschaulichung halber, beschreib ich es mal, wie folgt.
Ein Teleobjektiv mit 300mm ist demnach länger gebaut, als ein 28mm Pancake Objektiv. Folglich benötigt das Licht auch länger durch das Objektiv. Zudem kann prinziell weniger Licht in die Öffnung einfallen, da der mathematische Zylinder einer großen Brennweite (also das Objektiv mit hoher Brennweite) länger ist, als bei einer entsprechend kleineren oder besser kürzeren Bauweise & Brennweite.

Die „Brennweite“ wird oft ohnehin falsch wahrgenommen. Dabei beschreibt der Ausdruck BRENNWEITE eigentlich nur den physisch optischen Abstand des Brennpunkts zum Film/Sensor.

Bei digitalen Kameras gibt es irgendwo an der Kamera ein Symbol. Ein Kreis mit einem Strich durch. Dieses Symbol markiert den tatsächlichen Vorderseitigen Punkt (Ebene) eures Sensors. Von da aus, sind es theoretisch 28mm bis zum Objektivbrennpunkt eines 28mm Objektivs. Bei 300mm, also 30cm usw….
Soviel dazu.

Wie berechnet man nun also die Belichtungszeit?

Ausrechnen.

Hier scheiden sich die Geister, welcher Richtwert nun perfekt sei. Da gibt es die 300er Regel oder die 600er Regel. Ich nutzt am liebsten das Dazwischen und nehme die 450.

??? WHAT ???
Also die Regeln sind Grundlage einer einfachen Rechenformel.
300 durch die Brennweite ist gleich Belichtungszeit.
300 / 300mm Brennweite = 1 Sekunde
oder
300 / 28mm = 10,7 also 10 Sekunden

Warum ist das so wichtig?
Die Erde dreht sich. 😯 (und sie ist keine Scheibe, sonst wäre das ja ein Karussell 😉)

Und wenn man nun zu lang belichtet, fangen sie Sterne das „Ziehen“ an. Das bedeutet, dass aus Punkten Striche werden auf deinem Foto.
Um dies zu kompensieren, gibt es Astronomische Geräte, die deine Kamera mitführen können. Die also der Erdrotation entgegen drehen. Mit solch einem Gerät kannst du nun beliebig Lang belichten. Sehr interessant, wenn man mit einem Tele Objektiv eine Galaxie ablichten will (zB). Dafür fallen Landschaften mit Sternen flach. Da nun die Landschaft mitzieht oder besser verschwimmt.
Irgendwas ist ja immer.

Natürlich kannst du auch mal im AUTO oder A/Av Modus oder eben im P Modus schauen, was deine Kamera für Werte ausspuckt. Dann ahmst du diese einfach nach und justierst die Werte manuell im M Modus fein.

Probieren geht immer über Studieren.

Fassen wir zusammen:
ISO Empfindlichtkeit
Blendengröße
Belichtungszeit in Abhängigkeit, der gewählten Brennweite.

Zur Verdeutlichung.
Das zu sehende Foto wurde bei
ISO: 3200
Blende: f/2.8
Brennweite: 135mm
Beichtungszeit: 6 Sekunden
gemacht.

Nach der 300 Regel hätte ich 2,2 Sekunden,
nach der 450 Regel hätte ich 3,33 Sekunden,
und nach der 600 Regel 4,4 Sekunden belichten müssen.
Das ich über die Zeit belichtet habe, sieht man bei genauem hinsehen. kleine Striche. Nicht so schlimm, wenn man nicht daruaf hinweist. Wenn ich die nötige Zeit habe, probier ich immer aus, wer es gerade besser macht. Die Kamera oder Ich. Und jeder von uns 2 hat schon einen Treffer gelandet. 😉 Nur Übung macht den Meister.

Die Essenz dieser Info ist, das es keine Richtigen Angaben zu diesem Thema gibt. Mann muss zunächst verstehen, wie sich die einzelnen Einstellungen auswirken und dann deren Zusammenspiel verstehen.
Der beste Weg dahin ist… ausprobieren.
Denn schon das wechseln des Objektivs von einem Hersteller zu einem anderen, bei gleicher Brennweite/Blende, kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Fotografie ist Kunst und Physik.

Grob kann man sich bei der Iso zwischen 1000 und 3200 bewegen, grob kann man sagen, dass die offenste Blende am meisten Licht bringt. Und grob kann man sagen, das die Faustregeln (300-600) eine sinnvolle Belichtungszeit vorgeben. Aber alles nur GROB!
„Nutze die Macht Luke“ und probiere verschiede Einstellungen. 🙌
Lass auch mal die Kamera alles automatisch machen. Um näher an die optimalen Basiswerte zu kommen.

Viel Spaß beim probieren und hoffentlich gute Ergebnisse!

LG René

 

 

f/2.8 | 6s | ISO 3200 | 135mm | #Sony a7II | AutoRevuenon 135mm f/2.8

man ließt sich…

René | Farbsynthese

https://www.renebittner.de

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